Projekt: „Verbesserung von Qualitäts- und Risikomanagementsystemen mit Hilfe einer
Informationsplattform für die Vieh- und Fleischwirtschaft zur Reduzierung von Eintragsquellen
in die fleischerzeugende Produktionskette“
Der Fleischprüfring Bayern e.V. entwickelt im Rahmen des Projektes eine EDV-Systematik
deren Ziel es ist den Datenaustausch zwischen allen Marktpartnern im Bereich der
Vieh- und Fleischerzeugung zu verbessern.
Aufgabe dieses Projektes ist es, über eine internetgestützte Informationsplattform
den Beteiligten der Vieh- und Fleischwirtschaft gebündelt und einheitlich wichtige
Produkt-, Prozess- und Qualitätsdaten, die das Produkt Vieh oder Fleisch betreffen,
schnell in aufbereiteter Form umfassend zur Verfügung zu stellen, um mögliche Eintragsquellen
in die fleischerzeugende Produktionskette sicher zu erkennen und abzustellen.
Über ein Netzwerk von landwirtschaftlichen Erzeugern, Anlieferern, verarbeitenden
Betrieben, Institutionen zur Qualitätssicherung, Forschung und Vermarktung sowie
assoziierten Industrien und Dienstleistern in der fleischerzeugenden Wertschöpfungskette
sollen durch eine Verbesserung der Qualitäts- und Risikomanagementsysteme auf Basis
gesammelter Produktionsdaten und Erkenntnissen aus dem Erzeugungsprozess Wettbewerbsvorteile
für alle Partner erreicht werden.
Diese Informationsplattform wird modular aufgebaut. Sie besteht aus einer Basisplattform,
in der die relevanten Schlacht- und Qualitätsdaten erfasst und für zu entwickelnde
weitere Module gespeichert, archiviert und aufbereitet werden. Diese Module erfüllen
vorwiegend den Zweck die Daten aus der Basisplattform zu übernehmen und für entsprechende
Anwendungsapplikationen bereitzustellen. Als Module werden hier bis zum Projektende
Mitte 2011 ein Beratungsmodul, ein Modul zum Hygienemanagement und ein Modul Auditmanagement
entwickelt.
Die stufenübergreifende Dokumentation und Bereitstellung von qualitäts- und sicherheitsrelevanten
Daten entlang der Wertschöpfungskette ist die Vorraussetzung für die Erfüllung der
Sorgfaltspflicht in Bezug auf die generelle Produktsicherheit und Herkunftssicherung.
Dieses Online-Managementsystem soll auf effiziente und effektive Weise diese Informationen
für die Land- und Fleischwirtschaft koordinieren. Dabei werden alle relevanten Daten
autorisiert über eine ganzheitliche Infoplattform den entsprechenden Nutzergruppen
bereitgestellt.
Die gleichzeitige Integration in ein zentrales System ist für die Ketteninformationen
sowohl für Qualitätsprogramme als auch für die Umsetzung des EU-Hygienepaketes von
fundamentaler Bedeutung. Außerdem werden durch die zusammengeführte Bereitstellung
der unterschiedlichen Module und Parameter Synergieeffekte geschaffen. Zukünftig
kann durch die Nutzung des Managementsystems ein Großteil der Informationen in Bezug
auf die Lebensmittelsicherheit zur Lebensmittelkette in elektronischer Form bereitgestellt
werden. Die Daten stehen schnellstmöglich und direkt zur Verfügung und können unmittelbar
für Entscheidungen und zur Prozesssteuerung herangezogen werden. Für den Landwirt
ist es wichtig, frühzeitig derartige Informationen zu erhalten, um die richtigen
betrieblichen Entscheidungen treffen zu können.
Die Beteiligten wie z.B. Landwirte, Beratungsorganisationen, Viehhandel, Erzeugergemeinschaften,
Schlacht-/ Zerlegebetriebe speisen individuelle Informationen durch die Produktion
und Anlieferung von Schlachttieren an den Schnittstellen in eine zentrale Datenbank
ein und erhalten wiederum in aufbereiteter und gebündelter Form Daten zur Qualitätssicherung,
Rückverfolgbarkeit und Produktionsverbesserung zur Verfügung gestellt.
Als Beispiel lassen sich hier Veterinärdaten von Schlachttierkörpern nennen, die
im Rahmen des Schlachtprozesses gewonnen werden und auf Risikopotentiale und Verbesserungsansätze
in der landwirtschaftlichen Produktion in Form der Tierhaltung bzw. baulicher Gegebenheiten
hinweisen können. Organe, die im Rahmen der Fleischhygieneuntersuchung verworfen
werden, sind sowohl für den Schlachtbetrieb als auch für den Landwirt zunehmend
ein wirtschaftlicher Faktor, sollten sie als genussuntauglich eingestuft werden.
Eine erhöhte Quote an verworfenen Organen gibt Hinweise auf zu verbessernde Produktionsbedingungen
(z.B. Lungen ↔ Lüftung). Bei Erreichen von kritischen Schwellenwerten im
Bereich der Schlacht-, Qualitäts- oder Hygienedaten, die in der fleischerzeugenden
Kette entstehen, erfolgt zunächst eine Warnmeldung an die Beteiligten. Bei Überschreitung
von Maximalwerten wird eine automatische Information generiert, die einer Beratungsorganisation
als Auslöser für eine Maßnahme aus dem Infomanagementsystem übermittelt wird.
Durch die Datenvernetzung über eine Informationsplattform können zukünftig diese
Daten dem Landwirt, seiner Beratungsorganisation oder wissenschaftlichen Stellen
zur Analyse und Produktionsverbesserung automatisiert und schneller weitergeleitet
werden. Diese Informationen geben dem Landwirt die Möglichkeit potentielle Eintragsquellen
zu analysieren und abzustellen. Auf diese Weise können die entsprechenden Maßnahmen
schnell eingeleitet werden, die zu einer Produktivitätssteigerung führen (z.B. höhere
Tageszunahmen, reduzierter Medikamenteneinsatz). Neben den wirtschaftlichen Vorteilen,
die aus einem solchen System resultieren, wird auch ein Beitrag zum Tier- und Verbraucherschutz
geleistet, da beispielsweise der Arzneimitteleinsatz vermindert werden kann.